Digitale Ethik und KI in den Geisteswissenschaften: Die Zukunft menschzentrierter Forschung an der Ruhr-Universität Bochum

Die rasan­te Ent­wick­lung der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI) stellt die Gesell­schaft vor tief­grei­fen­de ethi­sche Fra­gen. Beson­ders in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten, wo die Mensch-Maschi­ne-Inter­ak­ti­on, kul­tu­rel­le Aus­wir­kun­gen und die Bewah­rung mensch­li­cher Wer­te im Fokus ste­hen, sind die­se Debat­ten von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Die Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum (RUB) nimmt sich die­ser Her­aus­for­de­rung aktiv an und posi­tio­niert sich als wich­ti­ger Akteur in der Gestal­tung einer ver­ant­wor­tungs­vol­len KI-Zukunft. Der Digi­tal Huma­ni­ties Day #7 am 15. und 16. Sep­tem­ber 2025 an der RUB unter­streicht dies mit sei­nem Schwer­punkt­the­ma „Digi­ta­le Ethik“.

Die Schnittstelle: Digitale Ethik und Geisteswissenschaften

Digi­ta­le Ethik, auch als Daten­ethik oder Algo­rith­men­ethik bekannt, beschäf­tigt sich mit den mora­li­schen Nor­men, die für die Digi­ta­li­sie­rung und Big Data gel­ten sol­len. Zen­tra­le The­men umfas­sen Künst­li­che Intel­li­genz und Algo­rith­men, Über­wa­chung, Pri­vat­sphä­re, das Ver­hält­nis zwi­schen Mensch und Maschi­ne sowie die Rol­le sozia­ler Medi­en in einer deli­be­ra­ti­ven Demo­kra­tie. Die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten spie­len hier­bei eine unver­zicht­ba­re Rol­le, da sie die kul­tu­rel­len, sozia­len und his­to­ri­schen Dimen­sio­nen die­ser Tech­no­lo­gien beleuch­ten und somit weit über die rein tech­ni­sche Betrach­tung hin­aus­ge­hen.

Warum Geisteswissenschaften für KI unerlässlich sind

Oft wird die Ver­bin­dung zwi­schen KI und Geis­tes­wis­sen­schaf­ten auf ethi­sche Fra­ge­stel­lun­gen wie mora­li­sches Han­deln oder Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung redu­ziert. Doch schon bei der Ent­wick­lung von KI-Sys­te­men, etwa Chat­bots, sind geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Per­spek­ti­ven zu Spra­che, Lern­pro­zes­sen und sogar Emo­tio­nen rele­vant. Die Inte­gra­ti­on die­ser Per­spek­ti­ven ermög­licht eine umfas­sen­de­re und ganz­heit­li­che­re Gestal­tung der KI, die nicht nur tech­ni­sche, son­dern auch ethi­sche, kul­tu­rel­le und his­to­ri­sche Aspek­te berück­sich­tigt. Eine rein tech­ni­sche Ent­wick­lung von KI läuft Gefahr, mensch­li­che Wer­te und Bedürf­nis­se zu über­se­hen oder sogar zu unter­gra­ben.

Menschenzentrierte KI als Leitprinzip

Ein men­schen­zen­trier­ter Ansatz in der KI-Ent­wick­lung ist essen­zi­ell, um sicher­zu­stel­len, dass Tech­no­lo­gie dem Wohl des Men­schen dient. Die­ser wer­te­ba­sier­te Ansatz kon­zen­triert sich auf Grund­rech­te, Respekt vor mensch­li­cher Auto­no­mie, Fair­ness, Inklu­si­on und den Erhalt mensch­li­cher Kon­trol­le und Über­sicht. Die UNESCO hat hier­zu 2021 die Emp­feh­lung zur Ethik der Künst­li­chen Intel­li­genz ver­ab­schie­det, ein glo­ba­ler Völ­ker­rechts­text, der ethi­sche Prin­zi­pi­en, Zie­le und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen in elf Gestal­tungs­fel­dern fest­legt, von Medi­en über For­schung bis hin zur ethi­schen Fol­gen­ab­schät­zung. Die Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum ver­folgt die­sen Ansatz unter ande­rem in Pro­jek­ten wie KI:edu.nrw, wo das Ethik-Teil­pro­jekt ethi­sche Refle­xi­ons- und Ent­schei­dungs­pro­zes­se im Kon­text von Lear­ning Ana­ly­tics und gene­ra­ti­ver KI in der Hoch­schul­bil­dung unter­stützt.

Ethische Herausforderungen und Chancen

Der Ein­satz von KI-Anwen­dun­gen, wie algo­rith­mi­schen Ent­schei­dungs­sys­te­men in der Wirt­schaft oder Medi­zin, wirft viel­fäl­ti­ge Kon­flikt­si­tua­tio­nen auf. Es geht nicht nur dar­um, was tech­nisch mach­bar ist, son­dern vor allem dar­um, was ethisch ver­tret­bar ist. Die RUB enga­giert sich mit ihrer Juni­or­pro­fes­sur für Ethik der digi­ta­len Metho­den und Tech­ni­ken für eine „ethics-by-design“-Philosophie, bei der ethi­sche Refle­xio­nen bereits in die Kon­zep­tua­li­sie­rungs- und Design­pro­zes­se tech­ni­scher und sozio­tech­ni­scher Sys­te­me inte­griert wer­den. Dies erfor­dert die Kul­ti­vie­rung ethi­scher Kom­pe­ten­zen, um poten­zi­el­le Risi­ken früh­zei­tig zu erken­nen und ver­ant­wor­tungs­voll zu adres­sie­ren.

KI-Governance in den Geisteswissenschaften

Die KI-Gover­nan­ce umfasst Pro­zes­se, Stan­dards und Leit­plan­ken, die sicher­stel­len sol­len, dass KI-Sys­te­me und ‑Tools sicher, ethisch ver­tret­bar und im Ein­klang mit gesell­schaft­li­chen Wer­ten ent­wi­ckelt und ein­ge­setzt wer­den. Ange­sichts der rasan­ten tech­no­lo­gi­schen Fort­schrit­te hin­ken regu­la­to­ri­sche Maß­nah­men oft hin­ter­her, wes­halb Unter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen eine gro­ße Ver­ant­wor­tung tra­gen. Eine effek­ti­ve KI-Gover­nan­ce befasst sich mit Risi­ken wie Ver­zer­run­gen, Daten­schutz­ver­let­zun­gen und Miss­brauch, wäh­rend sie gleich­zei­tig Inno­va­tio­nen för­dert und Ver­trau­en schafft. Für die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten bedeu­tet dies, aktiv an der Gestal­tung die­ser Gover­nan­ce-Sys­te­me mit­zu­wir­ken, um sicher­zu­stel­len, dass die Beson­der­hei­ten mensch­li­cher Kul­tur, Spra­che und Geschich­te ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den.

Die Rolle des Digital Humanities Center (DHC) der RUB

Das Digi­tal Huma­ni­ties Cen­ter (DHC) an der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum ist eine zen­tra­le Insti­tu­ti­on, die den Ein­satz digi­ta­ler Ver­fah­ren und Res­sour­cen in der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen For­schung för­dert und eine nach­hal­ti­ge Infra­struk­tur für Digi­tal Huma­ni­ties auf­baut. Im Rah­men des Digi­tal Huma­ni­ties Day #7 in 2025 wird ein Futures Thin­king Work­shop statt­fin­den, der sich der „Zukunft des DHC und der DH-Com­mu­ni­ty in der Uni­ver­si­täts­al­li­anz Ruhr“ wid­met. Sol­che Work­shops sind ent­schei­dend, um die Zukunft aktiv zu gestal­ten, Her­aus­for­de­run­gen zu anti­zi­pie­ren und wün­schens­wer­te Zukunfts­sze­na­ri­en zu ent­wi­ckeln, ins­be­son­de­re in einem sich so schnell ent­wi­ckeln­den Feld wie der KI.

Future Thinking: Die Zukunft aktiv gestalten

Future Thin­king ist eine Metho­do­lo­gie, die Zukunfts­for­schung und Design Thin­king kom­bi­niert, um Trends zu iden­ti­fi­zie­ren, zu bewer­ten und wün­schens­wer­te Zukunfts­sze­na­ri­en zu ent­wi­ckeln. Gera­de in den Digi­tal Huma­ni­ties ist die­ser Ansatz von unschätz­ba­rem Wert, um die Aus­wir­kun­gen von KI auf die geis­tes­wis­sen­schaft­li­che For­schung, Leh­re und die Gesell­schaft ins­ge­samt pro­ak­tiv zu erfas­sen. Durch die gemein­sa­me Ent­wick­lung von Zukunfts­per­spek­ti­ven im Futures Thin­king Work­shop an der RUB wird die DH-Com­mu­ni­ty befä­higt, nicht nur auf Ver­än­de­run­gen zu reagie­ren, son­dern die­se aktiv mit­zu­ge­stal­ten. Dies schließt auch die Ent­wick­lung digi­ta­ler Kom­pe­ten­zen ein, die in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten zu einer immer wich­ti­ge­ren Schlüs­sel­kom­pe­tenz wer­den.

Fazit

Die Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum demons­triert mit ihrem Digi­tal Huma­ni­ties Day #7 im Sep­tem­ber 2025 und dem Fokus auf „Digi­ta­le Ethik“ ihr Enga­ge­ment, die ethi­schen und gesell­schaft­li­chen Dimen­sio­nen der Künst­li­chen Intel­li­genz in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten aktiv zu erfor­schen und mit­zu­ge­stal­ten. Durch Initia­ti­ven wie das Digi­tal Huma­ni­ties Cen­ter, Pro­jek­te zur KI-Ethik in der Hoch­schul­bil­dung und inter­dis­zi­pli­nä­re Future Thin­king Work­shops wird ein men­schen­zen­trier­ter Ansatz geför­dert. Die­ser ist ent­schei­dend, um eine ver­ant­wor­tungs­vol­le KI-Gover­nan­ce zu ent­wi­ckeln und sicher­zu­stel­len, dass die tech­no­lo­gi­schen Fort­schrit­te zum Woh­le der gesam­ten Gesell­schaft ein­ge­setzt wer­den und mensch­li­che Wer­te bewahrt blei­ben. Die kon­ti­nu­ier­li­che Aus­ein­an­der­set­zung und der Dia­log zwi­schen Wis­sen­schaft, Gesell­schaft und Tech­no­lo­gie sind uner­läss­lich, um die Kom­ple­xi­tät der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on zu meis­tern und eine wün­schens­wer­te Zukunft zu gestal­ten.

Weiterführende Quellen

https://bibliotheksportal.de/2025/08/14/digital-humanities-day‑7/

https://www.ub.ruhr-uni-bochum.de/newsportal/save-the-date-7-dh-day-der-rub

https://news.rub.de/vermischtes/2025–09-05-konferenz-siebte-auflage-fuer-den-digital-humanities-day